Die schöne Heimat – Ein Buch des Gaues Köln-Aachen (1943)

Das kompakte selbstbezeichnete Bilderbuch der schönen Heimat wurde von Richard Ohling, „im fünften Kriegsjahr“, wie er selbst schrieb, herausgegeben und erschien im Kölner West-Verlag. Wer anhand des Erscheinungsjahres auf einen unvermeidlichen Bezug zur NS-Diktatur denkt, liegt richtig. Ohling war ab 1937 Propagandaleiter des Gaues Köln-Aachen und widmete das Buch in seinem Geleitwort „Hunderttausende[n] unserer Mitmenschen[, die] den Gau verlassen [mussten]“ (S. 5), in der Hauptsache also den Soldaten an der Front, worin sich die eingags erwähnte Kompaktheit begründet.

Der Oberbergische Kreis, als Zusammenschluss der Kreise Waldbröl (Südkreis) und Gummersbach (Nordkreis), war Teil jenes Gaues und wird in diesem Buch als Teil des Bergischen Landes abgehandelt. Wer sich allerdings auf historische Ansichten der Region freut, den werden einmal die Anzahl, ganze drei, enttäuschen und dann die Qualität, bzw. die Sujets. Während ein Bild das Gimborner Schloss zeigt, stellen die andere eher generische oberbergische Landschaften dar, die wenig Wiedererkennungswert liefern.

Otto Brües (s.u.) beschreibt das Bergische vor allem im Kontrast zur Eifel und kommt dabei zu interessanten Beobachtungen. „Die Hügelwelt des Bergischen Landes hat dabei, trotz aller Herbheit, immer noch etwas Liebliches, etwas von ‚westlicher‘ Anmut, obwohl sie im Osten liegt“. Soso. Er wird aber noch poetischer, denn „im Bergischen fließen die Farben mehr ineinander über, wie denn etwa der Frühling dort das Grün in den zartesten Abstufungen zeigt“.

Ganz sicher bewusst verharmlosen die Bilder, allen voran die Karte des Gaues, den industriellen Charakter der Region. Dies aus gleich mehreren Gründen: Eine unberührte Heimatwelt ließ sich natürlich deutlich einfacher romantisieren und der Wiedererkennungswert der Gebäude und Landschaften war auch höher als die Schlote der Fabriken — andererseits wurde damit aber auch der Eindruck erweckt, der verschlafene Gau wäre ein harmloser Ort; man wusste ja nie, wem das Heftchen noch so in die Hände geraten könnte.

Wenn auf der Karte der Name der Kreishauptstadt Gummersbach jedenfalls unter einem Hügel verschwindet und stattdessen Bergneustadt als großer Ort der Region hervorgehoben wird, dann könnte dies auch als Versuch gelten, von der kriegswichtigen Industrie in Gummersbach, namentlich der Firma L&C Steinmüller, abzulenken. Nur die Bayer-Werke in Leverkusen werden auf der Karte hervorgehoben, aber diese waren ja ohnehin über die Grenzen hinaus bekannt.

Der Schriftsteller und Wehrmachtsoffizier Otto Brües beschreibt in pathetischer Sprache Sinn und Zweck des Buches und bemüht sich, die gezeigten Bilder mit Kontext zu unterfüttern. Dabei werden die Heimatliebe, der Waffenstolz [sic] und der Durchhaltewillen der Köln-Aachener beschworen, schließlich war 1943 das Jahr, in dem der Krieg sich bei Stalingrad drehte und vermehrt durch alliierte Bombenflieger im deutschen Reichsgebiet ankam.

Nun hat es mit diesem Bilderbuch eine besondere Bewandtnis, es zeigt die Städte und Städtchen eines Gaues, den die mörderischen Folgen des Luftkrieges gegen die zivile Bevölkerung, des Luftterrors, besonders hart getroffen haben (S. 11)

So beschreibt Brües die Umstände, selbstverständlich ohne darauf aufmerksam zu machen, dass jener Luftterror zuvor auch selbst betrieben wurde; London, Coventry und andere ließen grüßen. Überhaupt fällt der plumpe Versuch Brües‘ ins Auge, aus der selbstverschuldeten Zerstörung der „schönen Heimat“ einen Gewinn zu schlagen: „eine Drachensaat geht davon auf, eine Saat des Zornes, ja, des Hasses, in jedem Fall eine Saat der Anklage“ (S. 13).

Eben dies bleibt von dem an sich doch so harmlosen Bilderbuch. Das Propagandablatt sollte sich in eine Reihe von Maßnahmen einfügen, die den Soldaten an der Front und den Zivilisten in der Heimat einschwören sollten auf einen bald schon aussichtslosen Krieg. Interessant aber ist es aufgrund seiner Sprache, die wieder Einzug gehalten hat in Teilen der deutschen Öffentlichkeit. „Die schöne Heimat“ möge denen, die von der Verteidigung der Heimat sprechen, als warnende Lektüre empfohlen sein. Aber, ach, vermutlich würden sie doch nur auf die Propaganda hereinfallen.

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