Als Rudi Carrell nicht nach Oberberg kam

„Carrell bei Fest dabei“ titelte die OVZ Anfang 1981 ein wenig unbeholfen und bezog sich auf das bevorstehende Betriebsfest der SABO-armaturen service GmbH, zu dem der Showmaster und Entertainer als Stargast geladen war. Den Kontakt hatte der SABO-Mitarbeiter Eduard „Edi“ Krone hergestellt. Krone war zusammen mit seinem Vater gleichen Namens Gast in der Silvesterfolge 1979 von Carrells Show „Am laufenden Band“ gewesen.

Dort war er durch seine Schlagfertigkeit und Entertainer-Qualitäten aufgefallen. Er entwickelte daraufhin sein eigenes Show-Konzept „Quiz für zwei“ und bekam die Unterstützung von SABO, dies auf eben jenem Betriebsfest vor firmeninterm Publikum — und mit prominenten Gästen — zu testen. Die mediale Aufmerksamkeit war also gegeben, zumal sich mit Mike Krüger und Heinz Eckner zwei weitere aus dem Fernsehen bekannte Komiker für die Veranstaltung gewinnen ließen. Nicht ohne Stolz ließ SABO also Einladungen und Eintrittskarten drucken:

In „salopper Kleidung“ sollte man sich also am 21. Februar ’81 in der Dieringhausener Aggerhalle zum Quiz-Spektakel einfinden. Allein, der Star des Abends ließ sich kurzfristig entschuldigen: Rudi Carrell gab bekannt, ihm wäre spontan ein Filmdreh dazwischengekommen. Ein Schelm wer ob Carrells Filmographie, in der sein nächster Film erst für 1988 angegeben ist, etwas Böses denkt. Krüger und Eckner kamen jedoch und trotz des fehlenden Holländers zog die geladene OVZ eine positive Bilanz:

Man sieht an dem Zeitungsbericht auch schön, dass der Stachel von Carrells Absage doch ganz schön tief saß. So soll er Eduard Krone noch in seiner Show versprochen haben, „einmal zu einem Fest ins Oberbergische zu kommen“, aber dann „galt plötzlich nichts mehr“. Trotzig wie der Oberberger nunmal ist und war, wurde am Schluss Resümee gezogen. Der „Show-Größe“ — auch im Original in Anführungszeichen — „die zwar vor einem Millionenpublikum ein Versprechen [abgegeben hat], es aber nicht für nötig [erachtete], dieses dann auch zu halten, wenn es darauf [ankam]“, bedurfte es offenbar nicht, um eine gelungene Darbietung auf die Bühne zu bringen.

Für die OVZ war die Angelegenheit damit aber noch nicht erledigt. Der Spinxer, die scharfzüngige Geheimwaffe der Zeitung, widmete Herrn Carrell noch einen zusätzlichen Kommentar. „De[n] Wortbruch des TV-Rudi“ mahnte er darin an und bedachte Carrell mit mehr oder weniger originellen Invektiven, wie „Quasselstrippe aus den Niederlanden“ oder „holländische[r] Fernseh-Rastelli“. Den Geschmähten wird es vermutlich wenig interessiert haben, wenn er dies denn überhaupt mitbekam. Dem kleinen oberbergischen Mann schien damit jedoch Genüge getan.

Bleibt festzuhalten, dass es für Edi Krone im Anschluss nicht zu einer nationalen Karriere gereicht hat. Im Gummersbacher Raum gilt er jedoch noch immer als „Original“. Diese kleine Episode, die mein Vater anhand der hier präsentierten Zeitungsausschnitte und Veranstaltungsdokumente liebevoll aufbewahrt hat, hat meiner Meinung nach jedoch als Geschichte von trotzigen Oberbergern und bösen Showmastern Ihren Wiedererzählungswert. Der Vollständigkeit halber füge ich hier noch den eingangs zitierten Artikel der OVZ und den Kommentar des Spinxer an: